Verspannungen

Es gibt sie, keine Frage. Ich unterscheide zwischen akuten und chronischen. Im Chronischen liegt eine Tücke dran, denn diese werden nicht mehr wahrgenommen.

Akute Verspannung dauert in der Regel 72 Stunden und tut weh. Man weiss ganz genau wo und welcher Muskel genau betroffen ist. Man unternimmt alles, um diesem Schmerz zu entgehen. Man versucht, es irgendwie loszuwerden. Mit Magnesium, Schmerzmitteln, Massage, Wärme und anderen individuell vielleicht funktionierenden Sachen. Manchmal helfen sie. Meistens nicht. Nach 72 Stunden ist es in der Regel vorbei, da die Faszien 72 Stunden brauchen, um ihren Krampf zu beenden. Man kann eine akute Verspannung auch sofort somatisch oder manuell lösen.

Was ist aber, wenn diese Verspannungen immer wieder kommen und zwar auf Grund unserer schlechten Gewohnheiten und wir die Muskeln zwar wärmen und massieren, aber nichts daraus lernen und nichts an unseren Gewohnheiten verändern, die diese verursachen? Ja, dann wird es schwieriger. Dann gibt es keinen Ausweg. Dann sind wir an dem, was dann unausweichlich auf uns kommt, selbst schuld.

Die Sache nimmt ihren Lauf, die Muskeln bleiben mehr oder weniger angespannt, wunderbarerweise denken wir mit der Zeit, es wird besser. Die Schmerzintensität wird deutlich niedriger. Bis der Zeitpunkt kommt, wo der Muskel nicht mehr schmerzt. Bis wir nicht mehr sagen können, welcher es überhaupt war und wenn wir ihn dann abtasten, werden wir überrascht sein, wie hart der ist. Aber keiner tastet nach. Man ist erleichtert, diese Sache ist überstanden. Uff. Und dann kommen andere Symptome – Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, unscharfes Sehen, Migräne, Bandscheibenvorfälle, taube Hände oben – oder – ISG-Blockaden, Rückenschmerzen, Ischialgie, Beinschmerzen, Knieschmerzen, Protrusionen und Bandscheibenschäden etc. unten. Diese Liste ist endlos und beinhaltet unter anderem so etwas, wie befundlose Magen und Darmprobleme, Unruhe, Herzrhythmusstörungen, flaches Atmen, Wirbelblockaden etc etc. Und kaum einer erinnert sich noch an die Verspannung(en), die weit zurück liegt(en) und dennoch, dennoch, genau dieser Muskel bzw diese Muskeln, denn inzwischen sind bestimmt ganze Muskelketten dauerverspannt, sind daran schuld.

Was ist passiert?

Akute Verspannung tut weh. Weil das Gehirn viel sensorische Information vom Muskel erhält und den Schmerz aussendet, so lange der Auslöser (schlechte Gewohnheit) besteht bzw die Spannung runter fährt, wenn der Auslöser weg ist. Je länger und je mehr die Muskelspannung besteht, desto weniger Information erhält das Gehirn und desto weniger ist seine Reaktion bzw die motorische Antwort. Und irgendwann „sieht“ das Gehirn diesen Muskel gar nicht mehr und vergisst ihn. Keine sensorische Information vom Muskel (bin verspannt!) = keine motorische Antwort (Entspannen!) vom Gehirn. Und das nennen wir die sensomotorische Amnesie, die durchaus ein Leben lang bestehen kann, wenn man diese nicht auflöst. Letzteres geht selbstständig mit leichten langsamen bewussten Bewegungen mit Somatic von Thomas Hanna („Beweglich sein ein Leben lang“). Tut es für Euch!

2 Antworten auf „Verspannungen“

  1. Hallo Gaby! Gerne. Ich rate zum Buch von Thomas Hanna „Beweglich sein ein Leben lang“. Falls du auf Facebook aktiv bist, kannst du mich dort anschreiben, ich habe eine Gruppe zu diesem genialen Buch, dann nehme ich dich auf

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