Nackenschmerzen und Gravitation

Nackenprobleme sind vielfältig – oft einseitig. Eine Halsseite, Trapez auf einer Seite, die Schulter schmerzt auch meistens eine bzw eine mehr als die andere, selten gleichzeitig. Entstehen oft im Sitzen und können durchaus auch nachts weiterhin lästig sein. Im Stehen sind sie besser, es sei denn man hat einen Geierhals 🙂 Aber auch hier hat man eher mit bestehenden chronischen Verspannungen zu tun, diese werden nicht mehr wahrgenommen (böse, böse!), lediglich ihre Folgen zeigen sich dann (aber massiv). Solche Verspannungen müssen somatisch aufgelöst werden, in dem man sie bewusst mit dem Gehirn verbindet (Hannas Somatics).

Ich möchte heute zur Nackenspannung schreiben. Ich hatte das in der letzten Zeit vermehrt selbst, weil ich gerne am Handy spiele und das im Sitzen. Und da bekomme ich gerne einen unangenehmen seitlichen Halsschmerz, der so richtig zieht und bohrt, der obere Trapezmuskel ist dann auch von der Partie und da er oben am Schädel rechts bzw links ansetzt, verdreht er und verzieht die eine Hälfte des hinteren Schädelknochens, der passive Atlas dreht mit, der Unterkiefer verschiebt sich in die andere Richtung, die Wirbelsäule verwringt, das Becken folgt. Die Muskeln spannen sich an, verspannen auf Dauer. Kopfschmerzen könnten folgen, bloss nicht schon wieder.

Da ich dem Körper vertraue und ihm zuhöre, habe ich experimentiert, also Feldenkrais in den Alltag übernommen. Und fand heraus, warum das kommt, wann und wie, und wie ich dem entgehen kann. Ich hole etwas aus.

Stellen wir uns mal vor, wir sind eine Waage, mit 2 Schalen und dem Pfeil in der Mitte, so wie früher als wir klein waren. Solche Waagen hatten auch tolle Gewichte dabei und damit konnte man alles abwiegen bzw die Gewichte gegeneinander balancieren. Ich habe dieses Spiel geliebt.

Also wenn ich jetzt sitze und zwar absolut symmetrisch auf den beiden Sitzhöckern, richtig ausgewogen, dann tragen meine Knochen sich selbst und vor allem den schweren Kopf. Mit dem Minimum an Muskelspannung. Die Waage meines Körpers steht still.

Wenn ich jetzt nur minimal asymmetrisch werde und einen Sitzhöcker mehr belaste als den anderen, wird meine andere Körperseite die Muskelspannung entsprechend erhöhen, damit der Kopf weiterhin gerade bleibt und ich nicht umfalle.

Probiert es beim Lesen aus. Sehr langsam und wenig. Minimal in Bewegung, langsamst in der Zeit. Die Diagonale Spannung ist gut zu spüren.

Hier greift die diagonale myofasziale Kette (Hüfte – Schulter). Die Waage steht anders, dafür reicht die kleinste Abweichung. Der Körper kompensiert diese mit mehr Spannung (Gewicht) auf der anderen Seite. Der Kopf wird weiterhin gerade getragen, aber nicht mehr alleine dank der Knochenbalance… So lange diese Unausgewogenheit nicht schmerzt, nennt man sie die Kompensation. In dem Moment, wo der Schmerz kommt, ist es eine Dekompensation. Der Körper schafft es nicht mehr, unbemerkt das Ungleichgewicht zu kompensieren.

Was kann ich tun? Ausgleichen – Rausfinden, wie ich wieder symmetrisch sitze. Eventuell ist mein Becken instabil, hier sollte ich die Beckenhälften in der Höhe an einander angleichen. Die meisten Leute schlagen Beine übereinander, das ist dann nicht nur seitliche Neigung, sondern auch noch die Verwringung der Wirbelsäule um sich selbst. Ungesund. Lieber würde ich ein Heft nehmen und unter die höhere Beckenhälfte legen. Ausprobieren unter welche und wie hoch soll diese Unterlage sein. Easy.

Und dann kommt noch die Sache mit den Augen… Moshe Feldenkrais schrieb in seinem Buch „Bewusstheit durch Bewegung“, dass die Muskeln automatisch dort anspannen, wohin die Augen schauen. Das ist ja evolutionär gesehen auch der Anfang jeder Bewegung, so kommen die Babies in die Bewegung. Augen bewegen sich, hier erhöht sich der Muskeltonus und dann bewegt sich der Körper in diese Richtung. Wir benutzen das immer, ohne es bewusst zu bemerken. Wenn wir aufstehen, gucken wir erst nach oben, die hintere Muskelkette (Strecker) spannt an und wie stehen auf. Wenn wir uns hinsetzen, schauen wir nach unten, die vordere Kette springt an (die Beuger), wir beugen uns und setzen uns hin. Was wird aber, wenn ich zwar zur einer Seite schaue, mich aber nicht dorthin bewege? Dann erzeuge auf dieser Seite Muskelspannung für die Katz. Und diese Spannung bleibt bestehen…
Wenn ich seitlich schaue, spannen sich asymmetrisch meine kleinen Nackenmuskeln, der Schädel verwringt, was danach kommt, ist oben bereits beschrieben

Stellen wir uns mich im Sessel mit dem Handy beim Spielen vor 🙂 Und nur in Bezug auf meine Augen.

Handy in der linken Hand, da ich nur mit rechts agiere, meine Augen schauen nach links (egal wie minimal). Meine ganze linke Seite steht unter Spannung. Das erzeugt mehr Druck im Becken links auf die Sitzfläche, meine rechte Schulter spannt an, mein Hals schmerzt rechts wie Teufel. Mist.

ok.

Symmetrischer Griff. Handy direkt vor mir in beiden Händen. Schon besser, vor allem, wenn ich zentral schaue. Und hier kann ich das vorhin geschriebene gleich praktisch umsetzen. Handy auf dem Schoss, Augen schauen nach unten, Beuger spannen an, ich runde den Rücken und sitze vielleicht nicht mehr elegant gerade da, dafür aber voll physiologisch. Und nichts tut weh. Immer wieder hebe ich meine Augen, strecke meinen Rücken und sorge so für den Ausgleich. Keine Nackenspannung. Keine Schmerzen. Phantastisch.

Und immer, wenn ich nicht mehr so gut sitze oder arbeite, meldet sich meine Schulter und warnt mich vor. Ich passe mich erneut BEWUSST an und alles ist wieder gut.

Mit dem Körper statt dagegen. Und froh darum, dass ich diese Spannung spüren kann.

Bleibt bewusst

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