Ischialgie, Piriformissyndrom, Instabilität

  • Ischialgie. Der große starke Ischiasnerv wird komprimiert – durch den verspannten Piriformis (Frage 1: warum verspannt er?), was zur Folge eine Hypotonie (schwache bis keine Spannung, wenn sie gebraucht wird) aller von ihm enervierten weiter unten liegenden Muskeln führt. Diese Muskeln
  • schmerzen nicht. Nervus Ischiadicus (Ischias) teilt sich weiter unten in den Wadennerv und in den Schienbeinnerv, diese teilen sich jeweils in 2 Nerven. Da kann man sich vorstellen, dass alle Muskeln, die hierdurch versorgt werden, nicht gut arbeiten. Der Mensch wird aber dadurch nicht unbeweglich, er geht, sitzt, liegt, steht und das obwohl sein Bein, nicht recht arbeitet. Das bedeutet, dass da andere Muskeln statt den Beinmuskeln beim Gehen benutzt werden. Das nennen wir Kompensation. Irgendwann sind sie sich dessen leid und fangen an zu de-kompensieren und schmerzen. Und dann werden wir wieder monatelang rein symptomatisch handeln, um weiß Gott wo diese de-kompensatorische Schmerzen loszuwerden. Oder gar irgendwas operieren…
  • Welche Muskeln enerviert Ischiadicus? 3 Oberschenkelbeuger. deren Hauptaufgaben die Beugung und leichte Rotation im Kniegelenk, Stabilisierung des Becken (hört, hört!) und zusammen mit den anderen Muskeln sorgen sie fürs Heranführen (Adduktion) und Strecken (Extension) des Beins im Hüftgelenk. Beide Verzweigungen (Waden- und Schienbeinmuskeln) versorgen gesamte Unterschenkel- und Fussmuskulatur. Bei der Ischiaskompression arbeiten ALLE diese Muskeln nicht mehr korrekt. YEAH, was für ein Desaster.
  • Piriformis und seine Schmerzen. Piriformis ist ein kleiner Aussenrotator des Hüftgelenks, der das Kreuzbein mit dem Oberschenkelknochen verbindet und bei seiner Anspannung eben dieses zum Kreuzbein hinzieht, aber da das Hüftgelenk ein Kugelgelenk ist, rotiert das gesamte Bein dabei nach aussen. Und wird in die Beckenschale reingezogen. Piriformis links und rechts UND Lattisimus dorsi links und rechts sorgen für die Position des Kreuzbeins in der Architektur des Skeletts. Das sind 4 Varianten, bei denen nur eine gesund ist… Ist das Kreuzbein verschoben, verschiebt sich die Basis der Wirbelsäule und alles alles ist nicht mehr so, wie es sein soll.
  • Piriformis ist klein und verdient unser Mitleid. Nein, wirklich. Wenn alles schief geht, schaltet er sich ein, um um jeden Preis das Becken zu stabilisieren. Wann ist das nötig? Wenn die Muskeln inaktiv sind, die das Becken stabilisieren sollen. Gluteus maximus – mein Liebling, ich schreibe immer wieder darüber – stabilisiert das Becken, das Hüftgelenk von Aussen, das Kniegelenk von Aussen, formt schöne Pobacken und führt das Bein nach hinten beim Gehen (aber nur wenn er aktiviert wird!). Toll, was? Die schlechte Nachricht ist, dass er bei 90% der Bevölkerung inaktiv ist. Man geht nicht optimal, man geht wenig, sitzt viel (auf diesem Muskel, wodurch er kaputt gesessen wird), man nutzt die Zehen nicht (diese aktivieren seine Spannung, nur sie, nichts sonst). Ok, sagt ihr, was soll es, dann eben flacher Po… Wenn er nicht arbeitet, wird das Becken instabil und Piriformis springt ein, um um jeden Preis das Becken zu stabilisieren, denn unser Becken ist unsere Basis – für die Körperhaltung und die Körperdynamik. Das Problem ist aber, dass durch den Piriformis verschiedne Nerven verlaufen – unter anderem Ischias und Nerv, der den Gluteus maximus versorgt und durch die Kompression im verspannten Piriformis erhalten wir einen Haufen Muskeln, die nicht aktiv sind. O la la!
  • Was arbeitet dann statt Gluteus maximus? Meistens Quadratus Lumborum, der dadurch verspannt, zieht die Beckenhälfte bei jedem Schritt nach oben Richtung Rippen und macht die Wirbelsäule in der LWS krumm. Man bekommt Skoliose, verspannten Rücken zwischen den Rippen und dem Becken. Schaut euch Leute da draußen. Sehr viele laufen so schief und halten dann auch noch die passende Hand in der Hosentasche, wahrscheinlich weil die hohe Spannung im unteren Rücken anderes Gehen nicht möglich macht
  • Und nun haben wir einen Teufelskreis erhalten: Gluteus maximus ist durch unser Versagen inaktiv – Beckeninstabilität – Piriformis verspannt – komprimiert wichtige Beinnerven – entzieht dadurch den Saft den Muskeln, u.a. dem Gluteus maximus. Traurige Realität.
  • inaktiver Gluteus stabilisiert nicht mehr das Knie von Aussen, das bringt viel Leiden mit sich. Alle, die Knieschmerzen haben, wissen wovon ich spreche – hinzu werden ich noch berichten

Wie finde ich heraus, dass mein Gluteus maximus inaktiv ist: mit einem Foto des Popos 🙂 Dann vergleicht man rein visuell die Pobacken in ihrem Volumen und Grösse. auch die Linien unter den Pobacken in ihrer Höhe. Das reicht schon mal. Dann geht man langsam mit den Händen auf dem Po – und spürt taktil – spannt an oder nicht…. Dann schaltet man die Zehen aktiv ins Gehen ein – das geht nur, wenn die Füsse nach vorne ausgerichtet sind – und schaut, was macht der Po in dieser Situation….. Es kann sein, dass man entdeckt, dass eine Pobacke hart ist und nicht locker lässt, dann muss man erst die Spannung lösen und dann wieder den ganzen Ablauf durchmachen. Dann kräftigt man diese schwache Seite. Quadratus Luborum kann man dann auch entspannen 🙂

Fazit: Stabilität des Beckens ist das A und O. Bleibt am Ball



4 Antworten auf „Ischialgie, Piriformissyndrom, Instabilität“

  1. Liebe Masha, da ich seit 17 Jahren 3 cm beinlängendifferenz habe kann ich die ischialgie sicher nicht so leicht beheben? Oder hast du auch für mich eine Idee? Lg Iris

    1. Hallo Iris!
      Ich würde als erstes die Bein+Beckenmuskeln entspannen (schreib mich bitte an, da habe ich inzwischen mehr Know-how dazu)
      danach schauen, wie ich tatsächlich stehe – ausgewogen oder mehr auf einem Bein als auf dem anderen – letzteres erschafft rein visuelle Beinlängendifferenz (es gibt ein Beitrag von mir hier im Blog zu diesem Thema)
      danach würde ich schauen, wie ich gehe, was meine Zehen und was mein Gluteus maximus macht. Er ist die Schlüsselfigur bei allen Problemen des Beckens und der Beine.
      Ich hoffe, das hilft dir 🙂

      1. Hallo masha, ich habe deine Antwort erst heute gesehen. Lieben Dank.
        Ich habe durch das künstliche Knie eine wirkliche beinlängendifferenz von rund 3 cm (!). ,an gleicht die Hälfte etwa aus. Bei mir sind es 1 cm, den ich dich Einlagen oder bei Sandalen Schuherhöhung ausgleiche.
        Das isg blockiert ….nicht mehr sooo häufig durch den neuostimulator, bzw die Elektrode am isg., doch die Verspannungen im Rücken gibt es immer. Sitzen ist immer ungünstig.

        Lg Iris

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