Die ultimative Wahrheit über den Gluteus Maximus

Ich habe sehr lange gebraucht, um das hier zu verstehen. Ich wusste vieles über diesen Muskel – dass er groß und lang ist, dass er das Becken und das Hüftgelenk und das Knie stabilisiert,  dass er selten genutzt wird und vor allem, dass falls er nicht arbeitet, sofort kommt Piriformis, um die Nerven des Beins und des Gluteus selbst zu komprimieren.

Aber da ich weiss, dass der Körper nichts sinnloses macht und alles seinen Zweck hat, konnte ich nicht verstehen, warum so etwas wie das hier passieren kann, und das bei 90% aller Leute (!). dieser Teufelskreis ergab für mich einfach keinen Sinn: „Inaktiver Gluteus maximus -> Piriformisverspannung -> Kompression der Beinnerven und des Nervs, der deben diesen Gluteus enerviert -> inaktiver Gluteus“. Hâ? Wozu soll das gut sein? Irgendwas ist doch komisch

Und dann habe ich mich für den Gluteus interessiert und herausgefunden, dass dieser Muskel ein wirklich großer Muskel ist und je größer der Muskel, desto mehr Energie er verbraucht! und der Körper spart, wo er nur kann. Wozu also so eine Muskelmasse unnötig mit sich zu schleppen? Nun ja, er hat viele wichtige Funktionen. Um diese zu verstehen, musste ich ihn mir anschauen. Was ich auch getan habe und fand im großen und ganzen folgendes: er liegt hinten am Becken, seitlich des Kreuzbeins (es sind 2 Muskeln, rechts und links) und verbindet unter anderem das Kreuzbein mit dem Oberschenkelknochen, liegt also diagonal von oben nach unten. Und geht weiter am Oberschenkel außen übers Knie hinaus zum Unterschenkel. YEAH. Er spannt am Po nur dann an, wenn das Bein gleichzeitig nach hinten und in die Außenrotation geführt wird. Alleine nach hinten reicht es nicht, da die Ansätze diagonal liegen. Aha. Also ist er ein Außenrotator  und Extensor des Hüftgelenks.  Und er hemmt die Adduktoren (als ihr Gegenspieler, da er außen am Bein verläuft) und DAS tut er, um das Knie zu stabilisieren und zu verhindern, dass das Knie beim Gehen nicht physiologisch nach innen geht. Hier werden Menisken kaputt gegangen, Sehnen gerissen außen am Knie und zerrieben innen am Knie (Gänsefußsyndrom, vielleicht kennt ihr das nicht , ich aber schon…), die Knie schmerzen, erst die Bakerzyste kommt und dann die Arthrose. Und warum? Weil der Gluteus Maximus nicht benutzt wird. Das ist auch so ein Aha-Effekt.

Was braucht Gluteus, um aktiv zu sein? DREI Sachen – aktive Zehen, die die myofasziale Kette starten, Extension und die Aussenrotation des Beins beim Gehen. Ersteres geht nur, wenn man aktiv alle 5 Zehen benutzt und das bedeutet Füße zeigen nach VORNE, alles andere braucht das physiologische heterolaterale Gehen (Kreuzgang). Das geht nur, wenn man das kann und das geht nur, wenn man keine aktiven primitiven Reflexe hat, also wenn das ZNS dominant und ausgereift ist. Erst dann klappt das mit dem schönen Po 🙂

Zum Piriformis: Wenn Gluteus mx nicht aktiv ist, gehen ALLE Außenrotatoren an, um das Becken und das Hüftgelenk von außen zu stabilisieren (Iliopsoas verspannt übrigens auch nicht einfach so, sondern um das Hüftgelenk von vorne zu stabilisieren, kippt das Becken nach vorne et voilà, das Hohlkreuz ist da). Alle 6 Außenrotatoren springen an, rotieren dabei das Bein nach außen – meiner Meinung nach, um dem Gluteus den Start zu erleichtern, wenn hier die Zehen aktiv wären, würde die Extension (Bein nach hinten) ausreichen, aber wer benutzt schon aktiv alle 5 Zehen? Und so kommt es zur Kompression, aber erst dann, wenn Piriformis als der kleinster aus dieser Gruppe sich verspannt hat. Der arme 🙁 Und ALLE 6 Außenrotatoren schaffen dann auch irgendwann das Oberschenkelköpfchen soweit ins Becken raufzuziehen, dass der Körper sich selbst um die Beckenstabilisation kümmern kann – nämlich durch die Hüftgelenkarthrose. Der letzte Ausweg.

Aber wenn man richtig den gesamten Fuß benutzt, heterolateral geht, den Gluteus im hinteren Bein sucht, wird ihn dort nicht finden. Dort ist er nicht angespannt. Seine Anspannung findet im ehemals vorderen Bein, wenn dessen Fuss gerade auf die volle Sohle unter dem Körper steht, das ganze Gewicht geankert trägt und seine Zehen aktiv in den Boden gibt. Hier, in diesem kurzen Moment kann man die volle Kraft des Muskeln unter den Fingern am Po spüren. Und das ist schön.

Ich wünsche jedem von meinen Lesern einen aktiven Gluteus maximus. Und das richtige Gehen reicht, um ihn zu kräftigen, bei jedem Schritt, 10000 mal am Tag. Fitnessindustrie wird mir widersprechen und mir sagen, nur mit dem Kraftaufbau kriegt man schöne Pobacken. Aber – Pobacken haben und Pobacken nutzen sind zwei Paar Schuhe. Und es gibt keinen schöneren Sport als physiologisches Gehen. Ganzheitlicher geht es nicht 🙂

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