Becken 2.0

Ich möchte Euch heute einladen und mitnehmen auf eine lange, dennoch interessante Reise der Erforschung eines 0815-Themas unseres Lebens – „Das Hohlkreuz“.  Man muss es nicht haben. Es gibt Menschen, die es nicht haben. Dennoch gibt es oft auch die anderen – mit Schmerzen oder ohne, die das haben und nicht schaffen es loszuwerden.

Ich werde Euch zeigen, wo meiner Meinung nach die Ursachen liegen, was diese bewirken und natürlich werde ich den Weg aufzeigen, der dieses Problem beheben kann. Schnell. Und in der Komfortzone. Effizient.

1. Was ist das Hohlkreuz?

Das ist die übermässige Wölbung der Lendenwirbelsäule nach vorne, oft begleitet von Po nach hinten, Bauch nach vorne. So eine Art schwangere Ente. Unschön.

2. Was sind die Ursachen?

Klassisch werden hier genannt – Bewegungsmangel, zu viel Sitzen, falsche Bewegungen (?), zu schwache Bauchmuskulatur (??). Tja. Klingt nach „selbst schuld“

Wie sehe ich das? Da muss ich erst mal etwas ausholen. Und das Thema Becken erneut anschneiden. Das Becken ist das größte Knochen unseres Körpers und die Schnittstelle dieses – hier wird quasi der Oberkörper mit den Beinen verbunden. Viele viele Muskeln setzen hier an – von oben wie von unten.

Von hier entspringt die Wirbelsäule. Ist das Becken nicht gerade, ist die Wirbelsäule auch nicht gerade, das hatten wir schon im ersten „Becken“-Beitrag, wo es um scheinbare Beinlängendifferenz ging. Kippt das Becken nun aber nach vorne, kippt auch das Kreuzbein mit und die Wirbelsäule beginnt ihre kurvenreiche Reise Richtung Kopf und bildet dabei die wahren Hyperkurven – in der LWS und HWS als Hyperlordose und in der BWS als Hyperkyphose, was ja logisch ist und dennoch viele Nebenwirkungen mit sich bringt, die alle ausnahmslos unangenehm sind…

Von hier beginnen auch die Beine, die mit unzähligen Muskeln mit dem Becken verbunden sind. Hüftgelenke sind auch ein Teil des Beckens.

Das Becken möchte stabil sein. Besonders im Sitzen, wo die ganze Schwerkraft auf dieses Knochen wirkt. Ist das Becken instabil, wird normales Sitzen (ohne anzulehnen, frei im Raum sitzend mit optimaler Gewichtsverteilung auf den Sitzhöckern, leicht und elegant) nicht mehr möglich.  Stabilität muss her, sonst riskiert man umzufallen. Also beginnen wir die Beine übereinander zu legen, die Füsse um die Stuhlbeine oder umeinander zu wickeln, auf den eigenen Füssen sitzen, Beine zur Brust halten etc. Oder man hat Schmerzen an den iliosakralen Gelenken, ISG oder „ich schreie gleich“ 🙂 . Das alles zeigt die Instabilität des Beckens. Und dass es etwas entscheidendes nicht funktioniert, was das Becken stabil machen sollte.

Da gibt es doch tatsächlich einen grossen Muskel, den Gluteus Maximus, so richtig gross und stark. Und er gibt den Pobacken ihre Form. Und wird oft von jungen Frauen trainiert, um ihn zu formen. Oft, wenn ich solche Fotos im Internet sehe, sehe ich auch das Hohlkreuz.. Hmm… Denn trainieren heisst noch lange nicht benutzen 🙂 Im Grossen und Ganzen kann sich jeder zum GMx bei Wikipedia einlesen, dieser Muskel ist gross und hat viele unerwartete Funktionen, die bekannteste ist die Stabilisation des Beckens, die weniger bekannte sind Stabilisation des Hüft- und Kniegelenks von Aussen.

GMx wird nur dann aktiv benutzt, wenn man:

1. mit beiden Füssen nach vorne geht
2. mit den Zehen aktiv abrollt

Das kann man gerne ausprobieren. Daumen in die Pobacken und gehen. Mal wie immer – wenn das Bein nach hinten geführt wird – spannt er? wird er hart? und dann richtig gehen – spannt er? wird er hart? Der Unterschied ist ernüchternd – wie Tag und Nacht 🙂

Alle andere Varianten enden im hypotonen Gluteus Maximus. Was sofort zur seitlichen Instabilität des Beckens führt, da der GMx zu der seitlichen myofaszialen Kette gehört. Ab hier wird es wieder interessant.

Die Hypotonie des Gluteus Maximus (fehlende Spannung bei Belastung) führt durch die fehlende Stabilisation des Hüftgelenks von hinten dazu, dass der Piriformis einspringt und versucht das Hüftgelenk zu stabilisieren, der Piriformis ist aber klein und hat auch so genug zu tun (als der Aussenrotator der Hüfte), zudem bei der Anspannung bringt er logischerweise seine Ansätze näher zueinander – Kreuzbein zum Oberschenkelknochen oben, was u.a. dazu führt, dass das Oberschenkelknochen nach oben ins Hüftgelenk gezogen wird, so dass je mehr Piriformisspannung, desto höher, bis das Knochen das Pfannendach erreicht hat, was auf Dauer zur Arthrose des Hüftgelenks führen wird.

ISG wird zusammengedrückt, da Piriformis dieses Knochenspalt überbrückt, was zu bekannten schrecklichen Schmerzen oder Missempfindungen führt, nicht nur das Sitzen wird zur Qual. Freies ISG ermöglicht freies Bewegen jeweils einer Beckenhälfte in Beziehung zur anderen. Gehen wird auch zum no go.

Durch den  Piriformis bzw darunter verlaufen mehrere Nerven, unter anderem Ischias und die Nerven, die Gluteus Maximus und Beckenboden inervieren – schlechtere Signalübertragung ist dann die Folge – noch weniger Chancen für den grossen Pomuskel und Probleme mit dem Beckenboden (Inkontinenz, Reizblase etc) sind die Folge.

Richtige Spannung des GMx führt zur richtigen Anspannung des ITB, der das Knie und das Hûftgelenk von aussen stabilisiert. Kein GMx – keine Stabilisation des Beins von aussen. Die Hälfte der seitlichen myofaszialen Kette ist nicht vorhanden.

In diesem Fall beim Gehen versucht der Iliopsoas zusammen mit dem Oberschenkelmuskel vorne das Hüftgelenk zu stabilisieren und verspannt –

kippt das Becken nach vorne.

Bauchmuskel lässt los

Rückenstrecker versuchen die Wirbelsäule zu stabilisieren und spannen dagegen an

Quadratus Lumborum verspannt passiv, weil seine Ansätze sich annähern (Becken hinten – zu den unteren Rippen hinten) UND weil er jetzt das Bein nach hinten führt an der Stelle von Gluteus maximus.

Die Wirbelschlange kurvt zum Kopf hin und wir haben all das, was ich am Anfang beschrieb .

also was ist nun die Ursache – nicht aktiver Gluteus Maximus – durch falsches Gehen – also durch die falsche Fussbenutzung.

Noch mal in Kürze die muskuläre Situation beim Hohlkreuz:

1. Verspannt sind
Psoas
Quadratus Lumborum
Rückenstrecker
Piriformis

2. Faul bzw hypoton (keine Anspannung unter Belastung)
Gluteus maximus
Gluteus medius
Gerader Bauchmuskel
TFL – Tensor Fascia Latae

Klassische Lösung ist Dehnen der Verspannten und Stärken der Faulen. Bringt das was?

Die Verspannten werden sich dadurch nicht entspannen, da nur das Gehirn das tun kann – die Muskelspannung regulieren
Die Faulen werden vielleicht stärker, dennoch bleiben sie faul, da sie nicht anspannen können

Meine Lösung:
Die Verspannten werden somatisch entspannt
Die Faulen werden aktiviert
– durch das richtige Gehen aktiviere ich Gluteus Maximus, was sofort alles andere verbessert
– somatisch aktiviere ich den Bauchmuskel, in dem ich dem Gehirn zeige, wie dieser Muskel als Gegenspieler des Rückenstreckers arbeiten soll. Beckenschaukel mit Akzent auf Rücken/Bauch-Arbeit
– alles andere ergibt sich von alleine, wenn ich auf richtiges Stehen achte.

Ich habe das mit 2 Leuten ausprobiert – Dauer der „Therapie“ 1 Stunde – das Hohlkreuz war weg, die Körperhaltung verbesserte sich sofort. Das ist wunderbar.

Bleibt bewusst.

Bei Interesse an meiner Hilfe schreibt mich über Kontakte an. Ich helfe gerne

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