Ursachenforschung oder Schmerzen als Symptom

Ich biete Euch eine gut funktionierende Strategie, mit der man relativ schnell die Ursache eines Problems herausfinden kann. Was uns schmerzt, ist meistens nur ein Symptom, die wahre Ursache schmerzt nicht.

Nehmen wir mal an, man hat Schulterschmerzen – Impingement Syndrom, Sehnenentzündung, egal welche Schmerzen bei bestimmten Bewegungen, Einschränkungen jeglicher Art u.v.m. Oder Nackenschmerzen, Wirbelblockaden, Schwindel, Kopfschmerzen etc.

Was wir machen? Wir gehen zum Arzt, bekommen Schmerzmittel und die Bilddiagnostik, meistens wird nichts gravierendes gefunden, irgendwas wird dann diagnostiziert, Physio aufgeschrieben, Ultraschalltherapie, Querfriktionen bei den Sehnenproblemen (Horror! aus Erfahrung), andere brachiale Methoden. All das bringt oft nichts auf Dauer, das Problem bleibt bestehen. Warum? Weil die Ursache oft wo anders ist.

Ich gebe Euch eine gut funktionierende Strategie in die Hand, mit der Ihr zumindest die Ursache finden könnt und dann dort nach der Lösung suchen werdet.

Da wir wissen, dass wir in der Gravitation leben, tut unser Körper ALLES, damit wir nicht umfallen – der Körper kompensiert unsere Gewohnheiten, unsere Dysbalancen, unsere Instabilitäten. Kompensation schmerzt nicht, dauert aber nicht ewig. Irgendein Auslöser reicht, um daraus die Situation der Dekompensation zu schaffen – wir fangen an, Schmerzen zu verspüren. Die Frage ist, wie immer, wo ist die Ursache – wo vor allem mache ich was falsch, dass mein Körper dekompensiert und schmerzt. Der Körper schreit, damit wir ihm helfen 🙂 Sehr viele Menschen hören und verstehen ihn nicht und lassen so viele unnötige Eingriffe über sich ergehen, die nichts an der Ursache des Schmerzes verändern können…

Die Strategie ist nun folgende. Nehmen wir mal an, man hat Schulterschmerzen (jeder hat sein eigenes Problem).

Wir müssen die erste wichtige Frage beantworten: wann ist der Schmerz mehr und wann weniger – in jeder Position erst 10 sek warten, dann in sich spüren bzw die Testbewegung machen, mit der der Schmerz provoziert werden kann):
im Stehen
im Gehen
im Sitzen
im Liegen

Wenn der Schmerz im Liegen in jeder erdenklichen Position am schlimmsten ist liegt die Ursache wirklich da, wo es weh tut – sehr seltener Fall – oder im inneren Organ, der dahin ausstrahlt

Wenn der Schmerz im Stehen am schlimmsten ist, liegt die Ursache in den Beinen. Hier gehen wir folgend vor – immer erst 10 sek abwarten, damit der Körper sich adaptieren kann:
1) Stehen auf beiden Beinen gleichmäßig
2) Stehen auf dem linken Bein
3) Stehen auf dem rechten Bein

Hat man hier eine schlimmere von allen Position gefunden, hat man die Ursache gefunden.  Das Bein, wo der Schmerz am schlimmsten ist, ist die Ursache. Eigentlich logisch.

Wenn der Schmerz im Gehen am schlimmsten ist, liegt es am Gehen selbst bzw an den Füssen, dem Gehpattern (Bewegungsmuster des Gehens) etc.

Wenn der Schmerz im Sitzen am schlimmsten ist, wird wohl das Becken schuld sein – hier wird es besonders interessant.

Also wir setzen uns hin und wir legen viele dünnere Bücher oder 1 cm dicke Hefte neben uns. Und wir testen weiter. Jedes mal 10 sek abwarten, nicht vergessen.

1) 1 Heft wird unter eine Pobacke gelegt – abwarten, checken – besser? schlechter? Wenn schlechter – dann hier raus, unter die andere Pobacke rein – abwarten checken. Besser? schlechter? Wenn besser – haben wir die richtige Beckenseite entdeckt und machen hier weiter. Wenn schlechter, nehmen wir das Buch weg und warten ab

Wenn wir bessere Beckenhälfte für die Bücher gefunden haben, gehen wir weiter:

2) wir legen ein 2. Buch dazu – abwarten checken
3) wir legen ein 3. Buch dazu – abwarten, checken

etc

Bis wir entweder eine deutliche Besserung oder eine völlige Schmerzfreiheit erreicht haben. es können sehr viele Bücher bzw Zentimeter werden. Egal wie schief man dabei sitzt oder sich fühlt, ist der Schmerz weg, haben wir die Ursache gefunden. Man merkt sich nun die Seite und die erreichte Höhe, man übersetzt sie in ein Buch 🙂 in der passenden Höhe. Nun kann man aufhören, an der Schulter, HWS oder sonst wo rumzupoppeln und man kann hier an der Ursache schrauben.

Ein anderes Problem im Becken kann eine Beckeninstabilität sein. Vielleicht kennst du das – du setzt dich auf den Stuhl und bäm!, deine Beine sind überschlagen. Oder du erwischst dich oft total verwrungen sitzend – Beine unter dem Po, vor der Brust, übereinander, um die Stuhlbeine gewunden und und und. Das ist keine schlechte Gewohnheit, das ist eine reflektorische Reaktion des Körpers auf die Beckeninstabilität. Was kann man hier machen? Man kann das Becken „unterbüchern“, falls es an der Höhendifferenz der Beckenhälften liegt, oder man kann das Becken unterbinden – einfach mit einem Schal, Tuch oder Handtuch, einem Gürtel oder was auch immer auf der halben Beckenhöhe stramm verbinden. Das stabilisiert akut das Becken. Jetzt kann man an den Muskeln arbeiten, die das Becken stabilisieren müssten, es aber nicht können, so lange das Becken instabil ist. 3-4 Stunden Verbundensein am Tag kann das Problem an sich zwar nicht lösen, aber in dieser Zeit kann man schon mal die Muskeln stärken, die es tun sollen. Nur so als Idee 🙂

Was stabilisiert das Becken –

Gluteus Maximus von hinten und von aussen (übrigens stabilisiert er auch das Hüftgelenk und Knie von aussen). Was aktiviert diesen Muskel? Die aktiven Zehen bei jedem Schritt.

Quadratus Lumborum von oben (sehr oft auch einseitig verspannt (die Hauptursache für die Höhendifferenz, bei der so viele Bücher nötig werden). Dysbalancen, die u.a. zur Skoliose führen.

Gluteus Medius – verspannt oft dank dem Stehen auf einem Bein!!
und Adduktoren – diese verspannen immer, wenn man mit den ausgedrehten Füssen geht.

Wo ist nun die wahre Ursache des Beckens? In den Füssen von unten und in den muskulären Dysbalancen des Rumpfes von oben.

Mein Weg daraus wäre einfach – erst Hannas Somatics, dann funktionelle Füsse. Was ist dein Weg?

3 Antworten auf „Ursachenforschung oder Schmerzen als Symptom“

  1. und wenn der Schmerz immer da ist ,nicht nur im stehen, liegen ,sitzen ,gehen ? .oder bei Bewegungen , wie stellt man dann fest woher der Schmerz kommt ? L.G. Marion

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