Instabile (H)WS. Was, wie, warum?

Instabile Wirbelsäure ist so ein Ding, wenn ein Wirbel aus der Reihe tanzt. Wenn wir uns unsere Wirbelsäule als eine eigentliche Wirbelschlange vorstellen, wo ein Wirbel über dem anderen so steht, dass einerseits kleine Bewegungen nach vorne/hinten, rechts/links und in die Rotation möglich ist, dennoch für jedes Pärchen etwas, dann können wir auch sagen, dass wenn alle Wirbelpaare so ein bisschen flexibel sind, so wird die ganze Schlange super beweglich und jeder Wirbel erfährt nur den Bruchteil der Belastung.

Mal sehen. Die HWS hat 7 Wirbeln, die BWS hat 12, die LWS hat 6 inkl Kreuzbeinübergang. Das macht 25 Wirbeln. Sind alle top und alles bewegt sich harmonisch mit den Nachbarn, erfährt jeder Wirbel bloss 1/25 der Belastung. Also quasi nichts. Und dann rutscht ein Wirbel raus und teilt dadurch die Wirbelsäule in Abschnitte. Und die Belastung auf jeden Wirbel wächst mit einem mal um Vielfaches. Der Körper blockiert die Nachbarwirbeln, was die Beweglichkeit der Wirbelsäule als Ganzes deutlich vermindert.

Und dann sollte man meines Erachtens nicht manuell einrenken oder irgendwie lösen, sondern dem Körper vertrauen, denn dieser macht nichts ohne Grund.

Jetzt zu HWS-Instabilität. Um gleich dem Aufschrei der anderer Seite vorzubeugen – ist man da oben instabil, gibt es zu 100% auch Böses in der LWS und die BWS leidet auch, auch wenn sicher weniger, da sie initial nicht soooo beweglich ist.

Alle Wirbeln sind mit einander assoziiert. C0 mit S1, C1 mit L5, C2 mit L4, C3 mit L3 etc. Oben – unten. Hat man Probleme mit C3, schau unbedingt zuerst, was dein L3 macht. Und behandle lieber hier – deutlich sicherer als die HWS anzufassen.

Wie sieht es aus, wenn die HWS instabil ist? Auf dem Röntgenbild sieht man dann ein Wirbel, der (meistens) nach vorne verrutscht ist. So ein Mensch hat sicher die dadurch entstandene Nervenkompression und dann hat er Schmerzen im Arm und Bein auf der gleichen Seite. Einschlafen, Ziehen, Taubheit, Aua. Was wird da behandelt? Vielleicht nie die HWS… Sie tut ja nicht weh.

Wie kommt es dazu? Dann müssen wir schauen, was die HWS machen sollte und was sie tatsächlich macht. Die HWS sollte den schweren Kopf aufrecht tragen. Dann ist die Gravitationsbelastung, die durch die Halswirbelkörper senkrecht geht, entsprechend dem Kopfgewicht von 5-6 kg. Das muss man erst selbst versuchen – etwas so schweres und kleines nehmen und im nach oben ausgestreckten Arm halten. Bin gespannt, wie lange das bei Euch geht 🙂
Aber genau dafür ist sie da. Den Kopf tragen, minimale Ausgleichbewegungen erlauben, natürlich gewisse Rotation, die dem Kreuzgang eigen ist, und das war es dann auch schon.

und dann kamen die Gadgets 🙁 . Der moderne Mensch schaut dauernd nach unten und das auch noch falsch. Im Sitzen, Liegen und Stehen. Manche auch im Gehen.

Test für alle, die bis hierher gelesen haben 🙂 Setzt euch auf ein Stuhl, aufrecht und schön. Und beugt den Kopf nach vorne.

Und ich wette, ihr habt es falsch gemacht. Um den Kopf nach vorne zu beugen, muss man ihn um die Achse der Ohren drehen und nicht um die Achse des C7 (der letzte Halswirbel, der aussteht). Also nicht den Hals nach vorne bewegen, so dass der Kopf vor den Brustkorb verschoben wird, sondern bei der geraden HWS den Kopf so nach vorne beugen, dass erstens der Nacken gestreckt wird und zweitens die Muskeln am Hals vorne sich spürbar anspannen. Ungewohnt, was? Wenn der Kopf nämlich vor den Brustkorb verschoben wird, dann ist seine Gravitationsbelastung auf die HWS ums 100-fache höher. Die HWS wird dieser Belastung nicht auf Dauer standhalten, die Wirbeln werden irgendwann nach vorne gleiten. Das ist logisch. Richtig wäre den Nacken zu strecken, in dem man Kinn zum Hals bewegt, so dass man unter dem Mundboden die Muskeln spüren kann. Arbeiten diese, entspannen sich die langen Nackenstrecker.

Stattdessen wird der Kopf um die Achse des C7 nach vorne bewegt, die langen Nackenstrecker (Schädelbasis – BWS zwischen den Schulterblättern) spannen dagegen an, sie müssen ja den Kopf halten!!! Oh weia! Je öfter so, desto schlimmer wird es, irgendwann sind diese Muskeln nicht mehr im Stande zu halten, schalten sich ab, man bekommt eine Hyperkyphose (Rundrücken), logischerweise auch Hyperlordose oben in der HWS und unten in die LWS, die Wirbelsäule wird instabil, man bekommt Schmerzen (der Körper schreit um Hilfe – wenn diese nicht kommt, wird der Körper die Wirbeln miteinander verknöchern, er muss ja ums Überleben sorgen).

und der Mensch (wir sind unser Gehirn) degeneriert. Bei der Situation in der Wirbelsäule hat man Durchblutungsprobleme und Sauerstoffmangel im Gehirn. Brainfog. Depression. Auch die Seh- und Hörkraft schwindet. Vor allem aber das Gehirn baut ab. Zum Glück für die Betroffenen merken sie das nicht…

Was kann man tun? Umlernen – den Kopf richtig zu halten. Auch beim Lesen. Am besten nicht im Bett. Am besten die Gadgets wegschmeissen und rausgehen. Gehen, gehen, gehen. Die beste Medizin für die Bandscheiben und die Wirbelsäule. Wasser trinken. Natur geniessen.

A propos Wassertrinken. Auch richtig schlucken muss gelernt werden. Schaut wie ihr schluckt, spürt ob dabei der Kopf nach vorne bewegt wird? An die Wand sich stellen, Nacken in die Wand so, dass die Nackenmuskeln gestreckt sind. Wasser in den Mund nehmen, Zunge auf den Gaumen. Schlucken. 5 Schlücke lang wird es komisch sein, danach läuft es immer besser. Wichtig ist, dass der Kopf nicht verlagert wird, dass die HWS nicht nach vorne geht. Versucht es und achtet darauf auch beim Essen. Bei jedem Schlucken darf der Kopf sich nicht bewegen.

und das letzte. Unsere HWS ist so gut wie unsere Hände es sind. Arbeitet mit den Händen. Erst entspannen, dann steuern lernen, dann kräftigen. Und dann werdet ihr feststellen, eure HWS ist wunderbar geworden

Bleibt bewusst

2 Antworten auf „Instabile (H)WS. Was, wie, warum?“

  1. Super liebe Masha ! Aber steh mir aufm Schlauch bei deiner Beschreibung „um die Achse der Ohren drehen“… was meinst du damit? Liebe Grüsse sabine

    1. stelle dir vor, von einem Ohr zum anderen geht eine Achse. Der Hals bleibt dabei kaum beeinträchtigt, der Kopf dreht um die Ohrenachse etwas vor und wieder zurück. Wenn er vor geht, wird erst der Nacken gestreckt (Scheitel zur Decke, Kinn zum Hals), dann spürt man Spannung vorne am Hals. Und dann zurück ohne dass der Hals nach vorne geht. Ungewohnt, aber sehr gesund

      ich habe immer ein Skelett vor Augen, wie die Bewegung da ist – nur der Kopf auf dem Atlas vor und zurück (kleine Bewegung) oder die ganze HWS um C7, dabei der Kopf wahrscheinlich auch noch vorgeschoben.

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