Neuroplastizität – Teil 1

Ich habe Norman Doidge gelesen. Erst das eine und dann das andere Buch. „Neustart im Kopf“ und „Wie das Gehirn heilt“. Und in dieser Zeit habe ich nichts anderes gelesen. Gar nichts. Und jetzt, wo ich mit dem zweiten Buch fast durch bin, habe ich mich entschieden, beide Bücher noch mal zu lesen und Notizen machen. Ich wollte so sehr einen Artikel dazu schreiben, aber ich hatte keine Zeit. Nachts träumte ich davon und bekam sogar „Tipps“ von meinem ZNS, und am Tag wusste ich nicht mehr, welche es waren. Mein Kurzzeitgedächtnis ist „dank“ KPU nicht so gut. Dennoch, eins will ich schon mal schreiben. Das wichtigste für mich.

Unser Gehirn ist plastisch. Neuroplastisch. Es verändert sich ständig. Abhängig von den Sachen, die wir machen, die wir denken und auch abhängig von den Sachen, die wir nicht machen und auch nicht denken. Es verändert sich immer. In die oder in die Richtung. Wir können uns verbessern und entwickeln. Wir können aber auch abbauen und viele Fertigkeiten verlieren, die wir mal gekonnt bzw gehabt haben.

Die Neuronen, die gleichzeitig aktiv werden, gehen eine Verbindung ein. Werden sie immer wieder zusammen aktiviert, verstärken sie diese Verbindung. Neuronen bilden Gehirnkarten. Je öfter wir das gleiche tun, desto stärker werden sie. Das kann was gutes sein, wie zum Beispiel, das Beherrschen eines Musikinstruments. Oder was doofes sein, wie zum Beispiel in der Nase popeln, wenn die Ampel rot ist.

Oder die destruktiven negativen Gedanken morgens beim Aufwachen. Wir wissen zwar, unsere Erwartung bedingt unsere Realität, aber die Automatismen, also Gewohnheiten, sind halt stärker. Bis wir bewusst eines Tages merken, was wir uns damit antun und versuchen, wieder bewusst anders zu denken. Aufgewacht und gleich bewusst positive Erwartungen denken. Jeden Morgen. Trotz der Erfahrungen der letzten Zeit. Immer in die gleiche Kerbe positiv rein hauen. Und damit neue Gehirnkarten bilden bzw entstehende verstärken. Und irgendwann (6 Wochen etwa muss man das bewusst hartnäckig machen) wachen wir morgens auf und die Welt sieht rosa aus. Die neue Gewohnheit ist da 🙂 Hallo Welt, du siehst herrlich aus!

Und da war noch was mit dem Platzmangel. Viele Aufgaben, viele Gehirnkarten, keine Erweiterung in Sicht. Kein Upgrade des Schädels. Auch wenn man uns in der Schule in den 80-er Jahren sagte, 2020 sehen Menschen ganz anders aus – Riesenköpfe und nur 3 Finger. Das hat nicht hingehauen. Also bleibt hohe Konkurrenz und das weitere Gesetz der Neuroplastizität – Use it or lose it. Nutze es oder verliere es.
Beispiel: ich spielte Klavier 10 Jahre lang und dann 30 Jahre gar nicht mehr. Neulich setzte ich mich dran, nahm meine Noten und stellte fest, ich habe den Bassschlüssel vergessen. Weg. Da war doch was mit der Verschiebung um 2 Tasten… Aber das ist auch schon alles. Verloren. Also, erarbeitete ich mir dieses Wissen neu und oh Wunder, es ging ziemlich schnell. Das ist das gute daran – ein mal gehabt, verloren und das wieder können geht schneller, als damals als Kind ohne jemals zuvor gekannt zu haben. Aber erschreckend war es dennoch. Alles war einfach weg.

Genau so ist es auch mit dem bewussten Bewegen. Man muss dran bleiben. Darüber ein anderes Mal

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