Mein Fuss – ein Jahr später – wie gehst Du?

Letztes Jahr, etwa um die gleiche Zeit, hatte ich erst meinen kleinen Zeh gespreizt und dann 3 Wochen später nicht mehr gehen können. Die Geschichte war verwirrend und schmerzvoll, die Diagnostik scheiterte, hiermit auch die professionelle Hilfe, die Lösung aber war leicht und schnell

Ich habe damals das zu Papier gebracht.

Wie es begann: //seibewusst.com/bewusstheit/bewusstes-gehen/

Wie es ausging: //seibewusst.com/lernen/raus-aus-den-schmerzen-mein-fuss-und-ich/

Und nun, was passiert jetzt. Was habe ich Neues an Erkenntnissen gewonnen, was habe ich erreicht.

Zur Feier des Tages habe ich den gleichen Zeh wieder gestaucht. Mit allem Pipapo. Der Zeh ist nicht gebrochen, aber er wird garantiert schwarz. Ich nahm es gelassen hin und deswegen hielten sich die Schmerzen in Grenzen. Wer hier liest, weiß, dass unsere Erwartungen die halbe Miete der Zukunft ausmachen. Unsere Zukunft basiert auf der Summe zwei Sachen – Erfahrungen (die sind, wie die sind) und Erwartungen (daran kann man bewusst schrauben). Also habe ich keine Katastrophe erwartet und sie trat nicht ein. Der Fuß tat etwas weh, der Knochen beklagte sich, aber ansonsten war alles ganz gut. Dank den Barfußschuhen hatte ich auch keine Schmerzen, die in den normalen Schuhen sicher da gewesen wären. Freiheit dieser Schuhe ist ein enormer Vorteil, sogar in so einer doofen Situation.

Nun kommen interessante Momente, die ich heute deutlich spüre, was vor einem Jahr dank der sensomotorischen Amnesie der Muskulatur da unten nicht der Fall war (die waren da, ich spürte es bloß nicht). Der Zehenstrecker (also der Fußrücken) versucht immer wieder, die Spannung zu erhöhen. Auch da, wo er das nicht muss. Wenn ich dann bewusst korrekt gehe (Zehen in den Boden), lässt er nach. Er hat hier auch keine Wahl, denn er muss sich entspannen, damit die Beuger sich anspannen können.

Nun haben wir 2 Möglichkeiten.

1. Jemand, der noch nie von diesen ganzen Sachen gewusst hat, der egal welche Schuhe trägt, tendenziell aber keine Barfußschuhe (auch Barfußschuhe retten nicht von falschen Fußbelastungen und falscher Fußnutzung). So ein Mensch geht über die Ferse (das ist übrigens sehr gut!), dann rollt er irgendwie über die Fußsohle, gibt mehr oder weniger Druck mit den Ballen in den Boden und verlässt den Boden mit gestreckten Zehen wieder. Viele geben gar keinen Druck in den Boden, sondern werden einfach durch den Trägheitsmoment des Körpers einfach mitgerissen.

Geht er mit nach außen gedrehten Fußspitzen, rollt er unweigerlich nur über den Ballen des Großzehs – hier kommt bei jedem 2. Schritt das ganze Körpergewicht auf einen einzigen Punkt. Der Körper reagiert und baut vor – damit wird die Oberfläche des Ballen vergrößert und so der Druck etwas verteilt. Es entsteht Hallux Valgus. Der unnütze Großzeh wird rein gedreht und das Ganze tut dann weh, weil keine Schuhe der Welt diese Konstruktion schmerzfrei erlauben können.

Geht man mit relativ parallelen Füßen, malträtiert man nur die Ballen, die belastet werden, obwohl sie nicht dafür gedacht sind. Das sind schließlich die Gelenke, die an sich eine andere Funktion als ein Stützpunkt haben.

So ein Mensch benutzt beim Gehen nicht seine Zehen. Was hat sich die Natur da nur gedacht, als sie uns mit den Zehen ausstattete??? So ein unnützes Zeug, immerhin kann man eine Pedicure machen 😉
Der fein strukturierte Fuß mit 30 Knochen, 30 Gelenken, 60 Muskeln, 100 Bändern und 200 Sehnen wird wie etwas fremdes schaufelartiges benutzt und abgenutzt. Ganz zu schweigen von den Rezeptoren der Fußsohlen, die verlernt haben, die wichtigsten Informationen der Umgebung ans Gehirn zu melden, wodurch der moderne Mensch mehr schwankt als schwebt

2. Jemand, der weiß, was er tut, bewusst geht bzw bewusst gelernt hat, so zu gehen.

Die Zehen werden gestreckt, dadurch spannt sich der Zehenstrecker und der Zehenbeuger lässt los (das eine geht nicht ohne des anderen), die Fußsohle entspannt sich und wird flach und lang, der Tibialis Posterior (Muskel, der die Ferse heben wird), der langer Beuger entspannt sich, der ganze Fuß wird vorgespannt – das Sprunggelenk gebeugt, die Fußspitze schaut dabei etwas nach oben, Richtung Kopf.

Das Fersenbein setzt auf, die Zehen bleiben in der Streckung.

Man rollt über die ganze Fußsohle auf das Grundgelenk des kleinen Zehs, schwenkt hier zum Grundgelenk des großen Zehs, wobei die Querwölbung aktiviert wird, was nur geht, wenn beide Grundgelenke gleichzeitig im Bodenkontakt sind.

Ist man soweit, entspannt man die Zehenstrecker, die Zehen kommen entspannt in den Bodenkontakt (was die Spannungsverhältnisse zwischen den Zehenstreckern und Zehenbeugern normalisiert), geben nun ALLE mit einander etwas Druck in den Boden, bleiben dabei flach. Beim Druck in den Boden aktiviert sich der kurze Zehenbeuger, der die Fußsohle anspannt und verkürzt, die Längswölbung bildet sich, spannt an, bereit, den Fuß hoch zu katapultieren, der lange Zehenbeuger aktiviert sich zusammen mit dem kurzen Zehenbeuger und der Tibialis Posterior (die Achillessehne gehört zu ihm) spannt sich an und hebt die Ferse. Beim Verlassen des Bodens werden die Zehen gestreckt und das Spielchen beginnt von neuem.

Eine komplexe Geschichte, in der alles auf einander abgestimmt ist.

Diese Art zu gehen ist deutlich angenehmer und kraftvoller, als die andere (siehe Punkt 1), birgt keine Gefahren der Fehlbelastung und Abnutzung, sorgt für starke glückliche Füße. Man fliegt buchstäblich. Und keiner braucht dann irgendwelche Fußgymnastik, der Fuß baut sich selbst auf und zwar genau so, wie er es braucht

Das letzte noch – woher kommt der Fersensporn? Er kommt vom dauerverspannten Tibialis posterior. Er wird erst dann gemerkt, wenn er weh tut. Unter dem ewigen Zug an der Sehne baut der Körper auch hier vor, um vor allem die Knochen zu schützen. Und baut wieder ab, wenn die Fehlbelastung weg ist. Unser Körper möchte uns schützen, das ist alles.

Ursächlich handeln, statt symptomatisch behandeln.

3 Antworten auf „Mein Fuss – ein Jahr später – wie gehst Du?“

  1. Stimme Gina da voll (u auch nüchtern *kleinesspäßle) zu, so ein Laufvideo, in Zeitlupe mit Erklärung von dir Masha, wäre sehr hilfreich, zu verstehn was du geschrieben hast u wie genau du dies meinst, ich finde deine Erörterungen, unsere Füße betreffend, sehr interessant u aufschlussreich, jedoch, bei Punkt 2 war ich dann raus, habe es versucht genau nach deiner Anleitung nach zu machen, das Resultat war, ich hatte sowohl Knoten im Gehirn als auch im Fuß… ansonsten wie immer ein ganz toller Bericht… LG RoseRosa

    1. Das Gehen muss man von Innen lernen. Jeder für sich. Vom Abgucken wird man nichts gelernt haben, man macht höchstens nach. Aber das verändert nicht die Gewohnheiten, nicht die Abläufe, die vom Gehirn gesteuert werden. Deswegen erst die Muskeln somatisch entspannen, danach das Gehen somatisch lernen.
      Sorry, somit kein Video von mir

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